Ratgeber

Gussverfahren in der Schmuckwerkstatt

Vom Modell zum Rohling: Ablauf des Feingusses, typische Fehler und der Anteil der Nacharbeit an der Kalkulation.

Gussverfahren in der Schmuckwerkstatt
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Der Guss ist der kürzeste Schritt einer Einzelanfertigung und der, an dem die meiste Zeit verlorengeht. Nicht beim Gießen selbst, sondern bei allem, was danach noch zu tun ist.

Der Ablauf

Modell erstellen, Modell anstiften, Einbetten in die Muffel, Ausbrennen des Modells, Gießen, Ausbetten, Trennen vom Gusskanal, Vorputzen. Acht Schritte, von denen der eigentliche Guss der kürzeste ist.

Das Modell entsteht heute meist aus Wachs, entweder von Hand modelliert oder aus einer digitalen Konstruktion gedruckt. Beide Wege führen in dieselbe Muffel.

Das Ausbrennen dauert je nach Muffelgröße mehrere Stunden und läuft über eine Temperaturkurve. Wird sie abgekürzt, bleiben Rückstände in der Form, und die zeigen sich erst am fertigen Rohling.

Die typischen Fehler

Lunker durch zu schnelles Erstarren, raue Oberflächen durch zu grobe Einbettmasse, unvollständige Füllung bei zu dünnen Querschnitten, Porosität durch Gasaufnahme, Risse durch Spannungen beim Abkühlen. Fünf Fehlerbilder mit unterschiedlichen Ursachen.

Der häufigste Fehler bei Einzelstücken ist die unvollständige Füllung an filigranen Stellen. Sie entsteht schon in der Konstruktion, wenn ein Querschnitt zu klein gewählt wurde, und nicht am Ofen.

Rechnen Sie deshalb bei Einzelanfertigungen mit einer Ausschussquote. Bei filigranen Entwürfen sind 10 bis 20 Prozent realistisch, und dieser Anteil gehört in die Kalkulation und nicht in die Hoffnung.

Feinguss in der Werkstatt
PunktWert oder Regel
Schritt 1Modell erstellen
Schritt 2anstiften
Schritt 3einbetten
Schritt 4ausbrennen
Schritt 5gießen
Schritt 6ausbetten
Schritt 7vom Gusskanal trennen
Schritt 8vorputzen
Fehlerbild 1Lunker durch schnelles Erstarren
Fehlerbild 2raue Oberfläche durch grobe Einbettmasse
Fehlerbild 3unvollständige Füllung bei dünnen Querschnitten
Fehlerbild 4Porosität durch Gasaufnahme
Ausschuss bei filigranen Entwürfen10 bis 20 Prozent
Anteil der Nacharbeit60 bis 75 Prozent der Werkstattzeit
Ehrlicher Termin3 bis 5 Wochen

Die Nacharbeit

Trennen, Verputzen, Schleifen, Vorpolieren, Fassen, Endpolieren, gegebenenfalls Beschichten. Der Anteil der Nacharbeit an der gesamten Werkstattzeit liegt bei Einzelstücken erfahrungsgemäß bei 60 bis 75 Prozent.

Das ist die Zahl, die eine Kalkulation trägt oder kippt. Wer den Guss bepreist und die Nacharbeit schätzt, verkalkuliert sich systematisch.

Führen Sie deshalb je Auftrag die Zeiten getrennt: Modell, Guss, Nacharbeit, Fassen. Nach 20 Aufträgen haben Sie einen belastbaren Erfahrungswert statt eines Gefühls.

Was der Kunde erfahren sollte

Dass ein gegossenes Einzelstück Nacharbeit braucht und dass der Termin daran hängt. Bei einer Einzelanfertigung sind 3 bis 5 Wochen ein ehrlicher Rahmen, nicht 10 Tage.

Ein Werk ist frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat. Vereinbaren Sie deshalb die Beschaffenheit ausdrücklich: Legierung, Feingehalt, Oberfläche, Maße, Steinqualität.

Und halten Sie den Entwurfsstand fest, aus dem gegossen wird. Bei einer digitalen Konstruktion genügen 2 Ansichten mit Datum; sie beenden die Diskussion darüber, was besprochen war.

Quellen

  1. Bürgerliches Gesetzbuch, Paragraf 633, Sach- und Rechtsmangel
  2. Bürgerliches Gesetzbuch, Paragraf 631, Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag

Häufige Fragen

Wie viele Schritte hat der Feinguss?

Acht, vom Modell bis zum Vorputzen. Der eigentliche Guss ist der kürzeste.

Welcher Fehler ist am häufigsten?

Die unvollständige Füllung an filigranen Stellen, und sie entsteht in der Konstruktion.

Wie hoch ist der Anteil der Nacharbeit?

Bei Einzelstücken 60 bis 75 Prozent der gesamten Werkstattzeit.

Welcher Termin ist ehrlich?

Bei einer Einzelanfertigung drei bis fünf Wochen.