Ratgeber

Edelsteinbestimmung mit dem Refraktometer

Was der Brechungsindex verrät, wo das Gerät an Grenzen stößt und welche Aussagen daraus zulässig sind.

Edelsteinbestimmung mit dem Refraktometer
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Das Refraktometer ist das Gerät, das im Fachgeschäft die meisten Fragen beantwortet und das die wenigsten Häuser noch bedienen. Es misst eine Eigenschaft, die sich nicht fälschen lässt.

Was gemessen wird

Der Brechungsindex beschreibt, wie stark ein Material Licht ablenkt. Er ist für jedes Mineral charakteristisch und wird über den Winkel der Totalreflexion an einer Kontaktfläche abgelesen.

Doppelbrechende Steine zeigen zwei Werte; die Differenz ist die Doppelbrechung und ebenfalls ein Bestimmungsmerkmal. Einfachbrechende Steine zeigen einen Wert.

Zusammen mit Dichte, Farbe, Pleochroismus und dem Bild unter der Lupe ergibt sich daraus in den meisten Fällen eine sichere Zuordnung, ohne den Stein zu beschädigen.

Die Praxis am Gerät

Kontaktflüssigkeit sparsam auftragen, den Stein mit der größten polierten Fläche auflegen, im Streiflicht ablesen, den Stein in 45-Grad-Schritten drehen und die Werte über eine volle Umdrehung notieren.

Vier bis 8 Ablesungen je Stein sind üblich. Wer nur einmal abliest, verwechselt bei doppelbrechenden Steinen regelmäßig den einen Wert mit dem anderen.

Reinigen Sie die Messfläche nach jedem Stein. Rückstände der Kontaktflüssigkeit verfälschen die nächste Messung und greifen die Prismenoberfläche über die Zeit an.

Refraktometer in der Praxis
PunktRegel oder Wert
MessgrößeBrechungsindex über die Totalreflexion
Charakteristisch fürjede Mineralart
Doppelbrechende Steinezwei Werte
Differenzdie Doppelbrechung, eigenes Merkmal
Ergänzende MerkmaleDichte, Farbe, Pleochroismus, Lupenbild
Auflageflächedie größte polierte Fläche
Drehungin 45-Grad-Schritten
Ablesungen je Stein4 bis 8
Nach jedem SteinMessfläche reinigen
Grenze 1Werte oberhalb des Messbereichs
Grenze 2gewölbte Flächen und sehr kleine Steine
Grenze 3gefasste Steine ohne zugängliche Fläche
Grenze 4keine Unterscheidung natürlich und synthetisch
Zulässige AussageMesswerte und Zuordnung zur Mineralart
Labor zuständig fürHerkunft, Behandlung, Synthesenachweis

Die Grenzen

Steine mit einem Brechungsindex über dem Messbereich des Geräts, etwa Diamant, lassen sich so nicht bestimmen. Dort endet die Ablesung, und das Ergebnis lautet nur, dass der Wert oberhalb der Skala liegt.

Gewölbte Flächen, sehr kleine Steine und gefasste Steine sind schwierig bis unmöglich zu messen. Bei gefassten Steinen ist häufig keine ausreichend große polierte Fläche zugänglich.

Und das Gerät unterscheidet nicht zwischen natürlich und synthetisch. Ein im Labor gezüchteter Rubin hat denselben Brechungsindex wie ein natürlicher, und genau darin liegt die wichtigste Grenze für die Beratung.

Welche Aussagen zulässig sind

Unlauter handelt, wer eine irreführende geschäftliche Handlung vornimmt. Eine Gerätemessung im Haus ist eine Bestimmung, kein Prüfbericht eines Labors.

Formulieren Sie deshalb, was gemessen wurde und was daraus folgt: Brechungsindex, Doppelbrechung, daraus die Zuordnung zur Mineralart. Drei Angaben, sauber getrennt von Aussagen über Herkunft oder Behandlung.

Für Herkunft, Behandlung und Synthesenachweis ist ein Labor zuständig. Nennen Sie diese Grenze offen; sie ist ein Zeichen von Fachkenntnis und nicht von Unvermögen.

Quellen

  1. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, Paragraf 5, irreführende geschäftliche Handlungen
  2. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, Paragraf 5a, Irreführung durch Unterlassen

Häufige Fragen

Was misst ein Refraktometer?

Den Brechungsindex über den Winkel der Totalreflexion, bei doppelbrechenden Steinen zwei Werte.

Wie viele Ablesungen sind nötig?

Vier bis acht je Stein, über eine volle Umdrehung in 45-Grad-Schritten.

Wo endet das Gerät?

Bei Werten oberhalb des Messbereichs, bei gewölbten und sehr kleinen Steinen und bei gefassten Steinen.

Erkennt es synthetische Steine?

Nein. Dafür ist ein Labor zuständig, ebenso für Herkunft und Behandlung.