Ratgeber

Feingehaltsprüfung per Säuretest und Röntgenfluoreszenz

Strichprobe und Röntgenfluoreszenz im Vergleich: was jedes Verfahren misst, wo es täuscht und was es kostet.

Feingehaltsprüfung per Säuretest und Röntgenfluoreszenz
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Der Säuretest ist schnell, billig und misst nur die Oberfläche. Genau darin liegt seine Stärke im Alltag und sein Risiko beim größeren Ankauf.

Die Strichprobe

Das Stück wird auf einem Prüfstein abgestrichen, auf den Strich kommt eine Prüfsäure mit definierter Konzentration. Löst sich der Strich, liegt der Feingehalt unter dem Wert der Säure; bleibt er stehen, darüber.

Das Verfahren arbeitet also mit Ausschluss und nicht mit Messung. Es liefert eine Einordnung in Stufen, keinen Zahlenwert.

Es misst außerdem nur die Oberfläche, und zwar nur an der Stelle des Strichs. Ein vergoldetes Stück aus unedlem Kern besteht die Probe, wenn nur die Auflage abgestrichen wurde.

Die Röntgenfluoreszenz

Das Gerät regt die Atome der Oberfläche an und misst die zurückgestrahlte charakteristische Strahlung. Daraus ergibt sich die Zusammensetzung, nicht nur der Goldanteil.

Es ist zerstörungsfrei und liefert Zahlenwerte für mehrere Elemente. Damit erkennt es auch, was neben dem Gold in der Legierung steckt, und das ist bei Ankaufsentscheidungen die wichtigere Information.

Auch dieses Verfahren misst die Oberfläche, mit einer Eindringtiefe im Bereich weniger Mikrometer. Eine dicke Auflage täuscht es genauso wie die Strichprobe.

Prüfverfahren im Vergleich
PunktStrichprobe / Röntgenfluoreszenz
Strichprobe PrinzipSäure löst den Strich oder nicht
ErgebnisEinordnung in Stufen, kein Zahlenwert
Messtiefenur die Oberfläche am Ort des Strichs
Schwächedicke Auflage auf unedlem Kern
Röntgenfluoreszenz Prinzipcharakteristische Strahlung der Oberfläche
ErgebnisZahlenwerte für mehrere Elemente
Vorteilzerstörungsfrei, erkennt die Legierung
Eindringtiefewenige Mikrometer
Gemeinsame Grenzebeide messen nur die Oberfläche
Sicheranschneiden, anbohren oder einschmelzen
ZusätzlichDichte prüfen, sie betrifft den ganzen Körper
Empfohlene Schwellevierstelliger Ankaufswert oder unbekannte Herkunft
Prüfzeit je Posten2 bis 5 Minuten
Bei 25 Ankäufen am Tag50 bis 125 Minuten

Die sichere Prüfung

Weil beide Verfahren an der Oberfläche bleiben, gilt bei Zweifel: anschneiden, anbohren oder einschmelzen. Erst der Querschnitt beweist, was innen liegt.

Setzen Sie eine Schwelle, ab der zerstörend geprüft wird, etwa ab einem Ankaufswert im vierstelligen Bereich oder bei jedem Barren ohne bekannte Herkunft. Eine feste Schwelle erspart die Einzelfallentscheidung am Tresen.

Und prüfen Sie zusätzlich die Dichte. Sie ist eine Eigenschaft des gesamten Körpers und nicht nur der Oberfläche; eine deutliche Abweichung ist der zuverlässigste Hinweis auf einen fremden Kern.

Was das für die Kalkulation bedeutet

Der Ankauf beruht auf dem Feingehalt. Ein Irrtum von 585 statt 333 bedeutet bei 20 Gramm einen Unterschied im dreistelligen Bereich, und er geht zulasten des Hauses.

Rechnen Sie deshalb 2 bis 5 Minuten Prüfzeit je Posten ein und weisen Sie sie in der Kalkulation aus. Bei 25 Ankäufen am Tag sind das 50 bis 125 Minuten, also eine gute Arbeitsstunde täglich.

Dokumentieren Sie das Ergebnis je Posten mit Verfahren und Wert. Bei einer späteren Reklamation ist das der einzige Beleg dafür, worauf der gezahlte Preis beruhte.

Quellen

  1. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren, Paragraf 2
  2. Gewerbeordnung, Paragraf 38, überwachungsbedürftige Gewerbe

Häufige Fragen

Was misst die Strichprobe?

Sie ordnet in Stufen ein, indem eine Säure den Strich löst oder nicht. Einen Zahlenwert liefert sie nicht.

Was leistet die Röntgenfluoreszenz zusätzlich?

Sie liefert Zahlenwerte für mehrere Elemente und erkennt damit die Legierung.

Warum täuschen beide Verfahren?

Weil beide nur die Oberfläche messen. Eine dicke Auflage besteht beide Prüfungen.

Wann muss zerstörend geprüft werden?

Ab einer festgelegten Schwelle, etwa bei vierstelligem Wert oder unbekannter Herkunft.